Twitteretymologie: @Graupause

Dass eine Pause nicht blau oder lila sein muss, beweist der Twitterer @Graupause, dessen Name nun etymologisch erklärt wird.

Eine Pause machen wir im Deutschen seit dem 13. Jahrhundert, denn da ist mittelhochdeutsch pūse erstmals bezeugt. Entlehnt wurde es aus dem altfranzösischen Substantiv pose zum Verb poser, welches „ruhen, innehalten“ bedeutet und auf lateinisch pausare zurückgeht, das wiederum von altgriechisch paúein kommt.

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Öffentlicher Raum im Internet

Kostenpflichtige Internetplattformen (App.net) sind wie Freizeitparks. Nur, wer es sich leisten kann, darf mitspielen.

Werbefinanzierte Plattformen (Twitter, Facebook) sind wie Einkaufspassagen. Man darf umsonst hinein, hat aber keine Rechte gegenüber dem Hausherrn, sondern ist im Grunde nur als potentieller Konsument geduldet.

Offene dezentrale Plattformen (E-Mail, WWW) sind wie die Innenstadt, ein öffentlicher Spielplatz oder ein Stadtpark. Man darf sich dort aufhalten, ganz einfach weil man Bürger ist.

Es wäre deshalb Aufgabe des Gemeinwesens, öffentliche soziale Plattformen im Internet zu schaffen, die jedermann offenstehen und keine kommerziellen Zwecke verfolgen, sondern der Bevölkerung zur Begegnung und zum Austausch dienen.

Ein 70 Jahre alter Tacker, der keine Klammern benötigt, sondern Papierbögen mit hineingestanzten Kammmustern zusammenheftet.
Stabil wie ein Amboss gebaut, hält er ein Leben lang und bedarf keines Verbrauchsmaterials.
Welch ein unkapitalistisches Produkt, das notwendigerweise den Hersteller ruiniert, während klammerfressende Wegwerfprodukte der Konkurrenz stete Einnahmen generieren.

Ein 70 Jahre alter Tacker, der keine Klammern benötigt, sondern Papierbögen mit hineingestanzten Kammmustern zusammenheftet.

Stabil wie ein Amboss gebaut, hält er ein Leben lang und bedarf keines Verbrauchsmaterials.

Welch ein unkapitalistisches Produkt, das notwendigerweise den Hersteller ruiniert, während klammerfressende Wegwerfprodukte der Konkurrenz stete Einnahmen generieren.

Utopien

Jeder Mensch trägt seine Utopie einer perfekten Welt in sich.

Die Probleme beginnen, wenn man die Macht erhält, diese Utopie zu realisieren. Dann wird man feststellen, dass einige Menschen dieser Verwirklichung im Wege stehen, weil sie andere Pläne haben. Also nimmt man diese Leute in Gewahrsam, bis sie ihren Irrtum erkannt haben. Als nächstes zeigt sich, dass die Realität nicht in allen Punkten mit der Utopie kompatibel ist. Also passt man die Realität der Utopie an, indem man Berichte über Fehlschläge zensiert.

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Gott

Meiner Ansicht nach ist Gott eine Funktion des Gehirns. So wie es dort ein Sprachzentrum gibt, das jedem Menschen die Fähigkeit zum Spracherwerb verleiht und zur kulturellen Erfindung unterschiedlicher Sprachen geführt hat, gibt es wohl auch eine Art Trostzentrum im Gehirn, welches dem erwachsenen Menschen die Geborgenheit der Kindheit bewahrt, indem es eine virtuelle Vaterfigur suggeriert, die wir Gott nennen.

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Weggenommene Arbeitsplätze?

Vor 60 Jahren arbeiteten auf einem Müllwagen sechs Deutsche, vor 40 Jahren vier Deutsche und zwei Gastarbeiter, heute ein Deutscher und ein Greifarm. Wer hat wem die Arbeitsplätze weggenommen? Die Migranten den Deutschen? Oder der Roboterarm den Menschen?

Der wahre Arbeitsplatzvernichter ist die Automatisierung, doch damit dies nicht auffällt, wiegelt man die gemeinsamen Opfer gegeneinander auf.

Dabei ist die Automatisierung an sich nichts Schlechtes:

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Verdummen wir?

Nein, der Eindruck täuscht. Nie zuvor war formale Bildung so weit verbreitet wie heute. Für meine Oma war es noch normal, mit 14 aus der Schule zu kommen, weiterführende Lehranstalten waren nur etwas für die Oberschicht. In meiner Familie war ich der erste Gymnasiast. Heute wechselt jeder zweite Schüler aufs Gymnasium.

Nie zuvor war auch das Wissen der Welt so zugänglich wie heute.

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Twitteretymologie: @Streichelzoo

Es wird mal wieder Zeit für die wortgeschichtliche Herleitung eines Twitternamens: Woher kommt eigentlich @Streichelzoo?

Das Kompositum ist erst 40 Jahre alt: Es wurde 1973 von dem Tierarzt und Zoodirektor Wolfgang Salzert geprägt.

Gestreichelt wird aber schon länger.

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Die echten Menschen und die im Internet

Das Nuf über Einsamkeit im Alter und Geselligkeit im Internet. Ich stimme ihr zu, denn das Internet ist kein Gegensatz zur dinglichen Welt, sondern ein zusätzlicher Interaktionsraum, der Menschen zusammenbringt und das Knüpfen und Aufrechterhalten von Kontakten erleichtert.

Wie man im Studium lese

Erst lese man den Text schnell und flüchtig, mache höchstens einen Bleistiftstrich an relevante Seiten.

Dann lese man ihn nochmals und unterstreiche die wichtigsten Stellen. Weil man den Textaufbau noch grob im Hinterkopf hat, fällt es einem leichter, das Merkenswerte zu erkennen und nicht jeden zweiten Satz zu markieren.

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Ich moechte sehr mit Ihnen umgang haben

Ich bekomme täglich etwa tausend Werbemails in meine Postfächer, von denen es rund hundert noch auf meinen Computer schaffen und zehn in meiner Inbox landen. Die schönsten hebe ich auf.

Ich mag besonders diese unbeholfenen Spam-Mails, bei denen man sich fragt, ob die paar Dollar für einen richtigen Übersetzer nicht eine lohnende Investition wären, weil viel mehr Leute darauf reinfallen würden. Und jene, die einen neugierig oder wütend machen sollen, damit man auf den Anhang klickt.

Ein paar schöne Zitate aus meiner Sammlung:

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Buchende

Als die Compact Disc auf den Markt kam, erzählten mir Schallplattenfans, das neue Medium werde sich nicht durchsetzen, da ihm der warme, authentische Klang fehle und das haptische Erlebnis des Plattenauflegens und -wendens.

Wenige Jahre später waren Schallplatten nur noch ein Nischenprodukt.

Als der Musikdownload aufkam, erzählten mir CD-Fans, das neue Medium werde sich nicht durchsetzen, da es verlustbehaftet komprimiert sei und ihm das haptische Erlebnis eines Booklets und Jewelcases fehle.

Wenige Jahre später waren die CD-Läden aus den Innenstädten verschwunden.

Als die E-Book-Reader eingeführt wurden, erzählten mir Bibliophile, das neue Medium werde sich nicht durchsetzen, da ihm der Geruch und das haptische Erlebnis echter Papierbücher fehle.

2012 machten E-Books mit 53 Prozent bereits die Mehrheit der verkauften Bücher aus.

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Diebstahl

Es gibt einen Spediteur, der billiger ist als die Konkurrenz. Er kann seine Mitbewerber deshalb unterbieten, weil er seine Lieferwagen nicht kauft, sondern stiehlt. Jeden Morgen müssen seine Angestellten fremde LKW und Transporter kurzschließen und sich mit den entwendeten Fahrzeugen auf Tour begeben. Die Polizei ermittelt bereits, da Produktionsmittel gestohlen werden.

Korrektur: Ich bin da einer Falschmeldung aufgesessen. In Wahrheit stiehlt die Firma keine Lieferwagen, sondern die Arbeitskraft ihrer Angestellten, indem sie Dumpinglöhne weit unter denen der Konkurrenz zahlt. Die Polizei ermittelt nicht, da nur Arbeitskraft gestohlen wird.

Hinweis für Prokrastinierer

R. Lionel Fanthorpe schrieb seinen 50.000-Worte-Roman Radio Alert in 11 Stunden (76 Worte pro Minute) und veröffentlichte 1961-63 allein 89 Romane.

(Nachzulesen im Bibliographischen Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur)

Sonne

Sonne